Forschung
Die Forschungsthemen der Professur Bildungsorganisation und Bildungsmanagement umfassen im Wesentlichen vier Bereiche:
- organisatorischer Wandel in Bildungseinrichtungen,
- Professionalisierung von pädagogischem Personal,
- Hochschulmanagement
- Bildungsnetzwerke
1 Organisatorischer Wandel von Bildungseinrichtungen
Bildungseinrichtungen stehen vor grundlegenden Restrukturierungen. Es wird stärkerer Wettbewerb im Bildungswesen gefordert, Instrumente aus den Managementwissenschaften verbreiten sich, und Begriffe wie Effizienz und Effektivität gewinnen zunehmend Bedeutung. Diese Entwicklungen sind nicht unumstritten, gleichwohl herrscht weitgehender Konsens darüber, dass grundlegende Veränderungen notwendig sind. Gleichzeitig werden in der Literatur Bildungseinrichtungen als schwer veränderbare, strukturell träge Organisationen portraitiert. Für die Wandelträgheit werden vor allen Dingen die fragmentierten, in der Regel nur lose gekoppelten Arbeitsprozesse verantwortlich gemacht. Zentral geplante Veränderungsmaßnahmen liefern daher nicht immer die gewünschten Ergebnisse, und Mitarbeiter in Bildungseinrichtungen sind oftmals überrascht über das Ergebnis, weil sich nicht viel geändert hat. In diesem Forschungsschwerpunkt werden die Voraussetzungen, Formen und Folgen neuer Organisations- und Steuerungsmodelle im Bildungswesen untersucht. Die Perspektive ist interdisziplinär und international vergleichend. Die einzelnen Forschungsfragen werden vor allem durch den soziologischen Neo-Institutionalismus und Ansätze zum organisatorischen Wandel theoretisch integriert.
- Welche Rolle spielen mimetische Prozesse bei der Verbreitung von Bildungsreformen?
- Welche Faktoren fördern bzw. hemmen den Organisationswandel in Bildungseinrichtungen?
2 Professionalisierung von pädagogischem Personal
Die Entwicklung und Förderung der Professionalität von Lehrkräften ist zentraler Baustein der aktuellen Reformmaßnahmen im deutschen Bildungssystem. Das gestiegene Interesse an dieser Thematik spiegelt sich z.B. in den zahlreichen Workshops, Konferenzen und Förderinitiativen (z.B. durch das BMBF) wider. In diesem Schwerpunkt soll insbesondere die Ausbildungs- und Rekrutierungsphase von angehenden Lehrkräften näher beleuchtet werden. Aufbauend auf meine bereits durchgeführten Studien zu den Karrierepfaden von Wissenschaftlern an deutschen Hochschulen sollen für den Schulkontext die biografischen Hintergründe von Lehrkräften longitudinal und international vergleichend empirisch untersucht werden. Zentrale Forschungsfragen lauten:
- Welche demografischen Merkmale kennzeichnen die Berufsbiografien von Lehrern in ausgewählten Ländern?
- Welche Formen der Eingangsdiagnostik, der Rekrutierung und der Förderung von Lehrkräften lassen sich unterscheiden?
- Welche Implikationen ergeben sich für die Personalauswahl und -entwicklung im deutschen Bildungskontext?
3 Hochschulmanagement
Die Sicherung der Lehrqualität ist eines der zentralen Reformthemen im deutschen Hochschulwesen. Bisher existieren an den Hochschulen kaum systematische, über einzelne Lehrveranstaltungsevaluationen hinausgehende Instrumente zur Bestimmung der Lehr- und Studierendensituation, deren Ergebnisse auch für Vergleichsanalysen (Benchmarks) oder longitudinale Analysen nutzbar gemacht werden können. Ziel dieses Forschungsschwerpunktes ist es, in Anlehnung an die im anglo-amerikanischen Raum praktizierten Systemevaluationen (z.B. UCUES der University of California oder Teaching Assessment Exercise der QAA in Großbritannien) ein auf das deutsche Hochschulsystem adaptiertes Instrument zur systemweiten Lehr- und Studierendensituation zu entwickeln. Dazu sollen bereits bestehende Evaluationsverfahren aus den USA und Großbritannien ausgewertet und in Kooperation mit der Center for Studies in Higher Education (CSHE) der University of California in Berkeley auf deutsche Hochschulbedingungen übertragen werden.
4 Bildungsnetzwerke
- Auf der Makro-Ebene werden Organisationen des Bildungswesens wie Schulen, Ministerien und Behörden als Netzwerkakteure konzipiert, um die Effizienz ihres Zusammenwirkens zu untersuchen und Fragen zum interorganisatorischen Wissenstransfer zu beantworten.
- Darüber hinaus wird auf der Mikroebene analysiert, welche Rolle soziale Netzwerke für den Bildungserfolg und die anschließenden Karriereoptionen einzelner Bildungsteilnehmer (Schüler, Studierende, Weiterbildende) spielen.
