Projektseminar "Invarianzen der Schulorganisation"
Die folgende Seite dient der Präsentation eines Seminars, das im Wintersemester 2008/2009 an der Bergischen Universität Wuppertal unter der Leitung von Dr. Matthias Rürup stattgefunden hat. Anlass und Anliegen dieser Internetpräsentation ist es, die eigenständige Arbeit der Studierenden öffentlich zu machen und über das Seminarkonzept selbst Auskunft zu geben.
Beides geschieht vor allem über ein Buch - einen Reader - der von den Studierenden gemeinsam und unter Anleitung des Dozenten erstellt wurde. Er wird über diese Internetseite veröffentlicht.
Weitergehende Informationen sind über die Moodle-Seite des Seminars zugänglich. Der Zugangscode zu diesen Seiten wird auf Nachfrage (ruerup (at) uni-wuppertal.de) bekanntgegeben.
Titelbild des Reader "Invarianzen der Schulorganisation"
1. Themenstellung des Seminars
Anliegen des Seminars war es, sich in der Form eines explorativ angelegten Projektes mit der faktischen oder auch nur scheinbaren Unveränderlichkeit von Schule in der heutigen (modernen, westlichen, funktional diferenzierten ...) Gesellschaft auseinander zu setzen. Begrifflich wurde diese Themenstellung als Frage nach der "Invarianz von Schulorganisationsmerkmalen" gefasst. Invarianz meint dabei den Umstand, dass bestimmte Gestaltungselemente von Schule höchstens in Ausnahmefällen (z.B. als zeitlich begrenzte, an einzelnen Schulen bzw. unter großen Anstrengungen umsetzbare Veränderungen) oder unter nur grundlegend anderen gesellschaftlichen Bedingungen anders beobachtbar bzw. vorstellbar sind.
Anlass dieses Fragens war die Beobachtung einer anhaltenden und konsitenten Thematisierung der schwerfälligen Reformierbarkeit und nur begrenzten Innovationsfähigkeit des Schulwesens. Gegenüber dem dominanten problematisierenden Grundton dieser Diagnose, sollte mit dem Seminar ein Perspektivwechsel vorgenommen werden. Die historisch gewordene, national und international vergleichbare Form der Organisation von Schule und Unterricht sollte konstruktiv als faktischer Ausdruck der Grenzen und Möglichkeiten praktischer Realisierbarkeit pädagogischer Utopien gelesen werden. Wo deutliche Varianzen der organisatorischen Gestaltung beobachtbar sind, erscheinen alternative Gestaltungsmöglichkeiten und entsprechende Reformpotentiale möglich. Wo indes historisch, national und international Invarianzen der Schulorganisation festzustellen sind, solltem im Seminar von besonderen funktionalen Bedarfen der Schulorganisation ausgegangen werden, die Reformoptionen grundsätzlich begrenzen. Gerade die Kenntnis von funktionalen Beschränkungen der Schulreform wurde dabei als wesentlicher Erkenntnisfortschritt vorgestellt, an dem die Studierenden im Seminar eigenständig und aktiv mitwirken könnten.
2. Anlage und Auflauf des Seminars
Das Seminar wurde als exploratives Forschungsprojekt durchgeführt. Ausgewählte schulorganisatorische Festlegungen sollten durch voneinander unabhängige studentische Arbeitsgruppen anhand verschiedener Quellen dahingehend geprüft werden, inwieweit sie als stabile oder veränderliche Größe der Gestaltung schulischer Praxis angesehen werden können. Ziel des Seminars und Möglichkeit der Leistungserbringung war dabei von vornherein die Verschriftlichung der einzelnen Recherchen und ihre Integration in einen gemeinsam erstellten Reader.
Eine übergreifende inhaltliche Orientierung erhielten die Studierende durch die Vorgaben zur Textarbeit und die Besprechung der Texte auf regelmäßigen Redaktionskonferenzen. Nach zwei einleitenden "Plenarsitzungen", auf denen die Studierenden in die Themenstellung des Seminars eingeführt und zu untersuchende Schulorganisationsaspekte bestimmt wurden, hatten die Studierenden (als Arbeitsgruppen) die Aufgabe:
- in einem ersten Text, den von ihnen untersuchten Gestaltungsaspekt der Schulorganisation möglichst genau beschreiben und ihre Überzeugung, dass er unveränderlich ist, thesenartig festhalten, erläutern und begründen.
- sollen die AGs mehrere Rechercheteams zu bilden, um ihre aufgestellte Invarianzthese über verschiedene Literaturrecherchen und eigene Untersuchungen zu prüfen. Die Recherchebefunde wurden dann durch jedes Rechercheteam in einem Ergebnisberichten - als zweiten Text der AG-Arbeit – festhalten. Ziel der Recherche sollte sein, die ursprünglich in der AG formulierte Invarianzthese zu widerlegen oder zumindest ihre Gültigkeitsbedingungen stark einzugrenzen.
- in einem dritten Text sollten die Arbeitsgruppen schließlich die Konsequenzen aus ihren Untersuchungen diskutieren und ihre Ursprungsthese möglichst weiterentwickeln.
3. Der Reader als Ergebnis des Seminars
Von vornherein war die Arbeit der Studierenden unter das Ziel gestellt worden, dass ihre Texte geeignet sein sollen, über einen gemeinsamen Reader einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu werden. Diese Zielstellung sollte zugleich als Motivation als auch als Qualitätsorientierung wissenschaftlichen Arbeitens dienen (sich vor einer breiten Öffentlichkeit präsentieren können).
Der Reader integriert die Texte von sieben der neun Arbeitsgruppen des Seminars zu einzelnen Kapiteln und macht sie im Zusammenhang zugänglich.Die Texte der weiteren AGs sowie Interviewmaterialen sind in einem Anhang zum Seminarreader dokumentiert, der - vor allem aus Gründen der Qualität - nicht allgemein veröffentlicht wird.
Eingeleitet und abgerundet wird der Reader durch drei Beiträge des Seminarleiters. Das erste Kapitel widmet sich der allgemeinen theoretischen Verortung des Seminarthemas und verweist auf vorliegende Forschungsbefunde bzw. Analyseansätze. Das anschließende zweite Kapitel des Readers stellt noch einmal vertiefend das Seminarkonzept und die Arbeitshinweise des Dozenten vor. Das letzte Kapitel des Readers enthält schließlich eine Diskussion der Ergebnisse des Seminars – sowie zu den Möglichkeiten und Grenzen des Seminarkonzepts.
Folgende Fragestellungen bzw. Organisationsmerkmale von Schule wurden von den 9 Arbeitsgruppen bzw. 74 Studierenden im Seminar untersucht.
- Braucht es immer einen Lehrer?
- Braucht es immer einen Schulleiter?
- Muss es immer eine Schulpflicht geben?
- Braucht es immer einen Lehrplan?
- Braucht es immer eine Fächerhierarchie?
- Ist Leistungsbewertung ersetzbar? (2x von zwei eigenständigen Arbeitsgruppen)
- Wie unveränderlich ist das deutsche dreigliedrige Schulsystem?
- Ist Schule immer verantwortlich für die Einführung in Kulturtechniken?
Die Themen "Fächerhierarchie" und "Dreigliedrigkeit" sind nicht in den Reader aufgenommen worden. Sie finden sich im Anhang zum Seminarreader, der auf persönliche Nachfrage an den Seminarleiter (ruerup (at) uni-wuppertal) zugänglich gemacht wird.
Hier zum Download: Reader "Invarianzen der Schulorganisation" (Stand 31.03.2009)
